Plastikbekämpfung: 5 innovative Ideen und Projekte

Jana Stark

In den Nachrichten hören wir zunehmend, was die Menschheit in Bezug auf den Klima- und Umweltschutz alles falsch gemacht hat und immer noch falsch macht. Bei der Dichte und Fülle solcher Informationen kann das Nachrichtenhören somit auf Dauer ziemlich deprimierend wirken und man fragt sich, was hat die Menschheit in diesem Bereich eigentlich richtig gemacht? Dabei geht oftmals ganz verloren, wie viele Menschen es doch gibt, die ihr Leben nutzen, um durch kreative Innovationen die Umwelt zu retten und so einen kleinen Hoffnungsstreifen am Horizont erschaffen. Aus diesem Grund wollen wir uns heute mit solchen Menschen, Unternehmen und Innovationen beschäftigen, um eine kleine positive Nachricht zu schaffen :).

Everwave 

Everwave ist ein Start-Up, gegründet von Marcella Hansch, einer Architektin aus Aachen. Begonnen hat das Projekt mit der Masterarbeit von Marcella Hansch, in welcher sie nach einer innovativen Lösung suchte, wie man unsere Gewässer von Plastik befreien kann. Dazu entwarf sie eine quadratische Plattform, die bereits kleinste Kunststoffteilchen aus dem Wasser filtern kann. Ursprünglich war das Projekt unter dem Namen Pacific Garbage Screening bekannt und wurde vor allem in unseren Meeren eingesetzt, um diese zu säubern. 2020 wurde das Pacific Garbage Screening dann umbenannt in Everwave, womit auch ein Strategiewechsel einherging. Von nun an widmete sich das Start-Up nicht mehr nur der Plastikbekämpfung im Meer, sondern auch der Prävention, damit gar nicht erst so viel Plastik ins Meer gelangt. Dazu wurde der Einsatzort der Plattformen von den Meeren auf die Flüsse verlegt und Everwave begann Umweltbildung an Schulen zu betreiben. Die schwimmenden Müllplattformen sammeln nun all den Müll, welcher in der Strömung der Flüsse treibt, ein. Dabei beruhigen die Plattformen auf technologische Weise sogar die Strömung, damit auch Kunststoffpartikel, die unter Wasser treiben, an die Oberfläche gelangen und eingefangen werden können. Das Einfangsystem funktioniert gänzlich ohne Netze, sodass keine Lebewesen gestört oder gefährdet werden. Die Müllplattformen werden von verschiedensten weiteren Technologien unterstützt. So werden beispielsweise Drohnen eingesetzt, um Müll-Hotspots zu identifizieren. Die Plattformen selbst werden ebenfalls mit Kameras und Sensoren ausgestattet, um genau herauszufinden, woher der Müll kommt und wie sich dieser zusammensetzt. Auf diese Weise kann Everwave Verursacher des Mülls ausfindig machen und dem präventiv entgegensteuern, indem beispielsweise eine Produktion darauf hingewiesen wird, wenn durch diese Müll ins Wasser gelangt. Des Weiteren werden die Müllsammelplattformen von einer künstlichen Intelligenz unterstützt, welche es ermöglicht, alle Ecken, an denen sich viel Müll ansammelt, zu erreichen. Dabei stellen auch schwer erreichbare Stellen kein Problem für die Plattformen dar. So sammelt Everwave pro Tag und pro Boot etwa 20 Tonnen Müll in unseren Flüssen ein. Der eingesammelte Müll wird anschließend recycelt und weiterverarbeitet. So wird beispielsweise das Plastik zur Herstellung von Biokunststoffen verwendet oder zur Gewinnung von Energie. 

The Plastic Bank

The Plastic Bank verfolgt ebenfalls eine präventive Strategie. Das Interessante daran ist, dass dieses Unternehmen jedoch nicht nur umweltschützend agiert, sondern gleichzeitig auch die Armut der Menschheit bekämpft. The Plastic Bank wurde 2013 von David Katz und Shaun Frankson gegründet und hat seinen Sitz in Vancouver. Die Idee dahinter ist, Plastikmüll zu einer Währung zu machen. Dies soll Menschen dazu animieren, Plastik zu sammeln, sodass dieses gar nicht erst in unsere Gewässer kommen kann. Das gesammelte Plastik kann daraufhin gegen verschiedene Objekte oder Leistungen eingetauscht werden. So kann man sich beispielsweise durch Plastik Arzneimittel, Internetzugang, eine Arbeits- oder Lebensversicherung, Sozialhilfe oder Bankdienstleistungen erkaufen. Inzwischen hat The Plastic Bank bereits in vielen verschiedenen Ländern einen Sitz, wie unter anderem in Indonesien, in Brasilien, Ägypten, auf den Philippinen und auf Haiti. Nebenher betreibt The Plastic Bank auch Umwelterziehung für Kinder, um diese bereits in frühen Jahren für den richtigen Umgang mit Müll und unsere Umweltprobleme zu sensibilisieren. So erreicht das Sozialunternehmen nicht nur erfolgreiche Plastik- und Armutsbekämpfung, sondern auch ein Bewusstsein in der Menschheit für unser Müllproblem. So wurden bereits im Jahr 2020 über 14.147 Tonnen Plastik bei The Plastic Bank eingereicht und umgetauscht. Das ganze gesammelte Plastik wird anschließend recycelt, zu neuen Objekten verarbeitet und wieder weiterverkauft.

Seabin

Das Projekt Seabin wurde von zwei australischen Surfern entworfen, Peter Ceglinski und Andrew Turton. Die beiden fanden den Zustand der Surfstrände, welche immer mehr vermüllt wurden, erschreckend und beschlossen, dass etwas dagegen gemacht werden muss. Durch Crowdfunding sammelten die beiden daraufhin Geld, um ihre Idee, eine schwimmende Mülltonne, zu realisieren. Diese entwickelte Wasser-Mülltonne schwimmt nun bereits in verschiedenen Häfen und Buchten auf der ganzen Welt und filtert mithilfe einer elektrischen Pumpe das Plastik aus dem Wasser. Dabei ist der Seabin mit einer Pumpe an Land verbunden. Die Pumpe saugt Wasser ein und damit auch den auf dem Wasser schwimmenden Müll. Der Müll wird daraufhin in einem Sack aus Naturfasern gefangen. So können bereits kleinste Partikel, ab einer Größe von 2 mm aufgefangen werden. Das eingesogene Wasser wird anschließend sauber wieder in das Meer zurückgepumpt. Zudem besteht die Möglichkeit, das Wasser gleichzeitig durch einen Ölfilter zu reinigen. Fische laufen dabei keine Gefahr, auch mit eingesogen zu werden. Sollte dies dennoch passieren, können sie bei der Leerung der Seabins unbeschadet wieder zurück ins Meer gelassen werden. Das Gute an den Seabins ist, dass sie wirklich 24/7 eingesetzt werden und arbeiten können. So schaffen es alle Seabins weltweit täglich insgesamt 3.612,8 kg Müll einzufangen. Im Anschluss daran wird der Müll recycelt und so wieder in den Kreislauf gebracht.

Xenobots

Nun kommen wir zu einer gänzlich anderen Technologie, die im ersten Moment wie Science-Fiction klingen mag: Xenobots. Hierbei handelt es sich weder um ein spezifisches Projekt, noch um ein Start-Up oder eine NGO. Stattdessen bezeichnet man mit Xenobots programmierte Lebewesen, die circa 0,7 mm groß sind. Die Idee und Entwicklung dahinter nahm ihren Ursprung in der University of Vermont und der Tufts University. Doch wie genau sieht das aus und was hat das mit Umweltschutz zu tun? Um Xenobots zu entwickeln, wurde mit einer künstlichen Intelligenz gearbeitet. Durch einen Algorithmus kombiniert die KI dabei biologische Bausteine auf verschiedene Weisen, bis ein optimales Ergebnis herauskommt, das spezifischen Verhaltensmustern folgen kann. Dieses wird daraufhin in der Realität mit Zellen des afrikanischen Krallenfrosch Xenopus laevis  umgesetzt, wodurch ein neuer, programmierter Organismus herauskommt, der Xenobot. Diese Organismen können sich bewegen, Objekte verschieben, bei Verletzungen können sie sich selbst heilen und nach Erledigung ihres Auftrags bauen sie sich biologisch ab. In Zukunft sollen nun diese Organismen dazu eingesetzt werden, um die Ozeane von Mikroplastik zu säubern. 

Great Bubble Barrier

Nach diesem kurzen Exkurs in die wahr gewordene Science-Fiction kommen wir nun wieder zu etwas Greifbarerem, zu der Great Bubble Barrier :). Die Great Bubble Barrier ist ein Projekt eines niederländischen Start-Ups, gegründet von Francis Zoet, Saskia Studer und Anne Maieke Eveleens. Die drei Niederländerinnen suchten bei einem Glas Bier nach Ideen, um etwas für den Umweltschutz und die Bekämpfung des Müllproblems in unserer Welt zu unternehmen. Dabei wurden sie tatsächlich von ihrem Bier inspiriert, genauer gesagt von den aufsteigenden Blasen ihres kohlensäurehaltigen Getränks. So kamen die drei auf die Idee, eine natürliche Barriere zu erschaffen, die Müll davon abhält, von den Flüssen in das Meer zu schwimmen. Dazu wird ein perforierter Schlauch mit Löchern auf den Grund von Flüssen gelegt. Durch diesen Schlauch pumpt ein Kompressor Luft, sodass eine Wand aus Luftblasen unter Wasser entsteht. Diese Barriere hält bereits Mikroplastik ab einer Größe von 1 mm auf. Durch die Strömung, die durch den Sauerstoff im Wasser geschaffen wird, gelangen zudem Müllpartikel unter Wasser an die Oberfläche. Alles zusammen treibt daraufhin an die Ufer, wo es in Containern aufgefangen wird. Doch die Great Bubble Barrier hat viele weitere positive Effekte. So werden durch dieses Filtersystem weder Lebewesen noch die Schifffahrt gestört. Das Gegenteil ist sogar der Fall. Die natürliche Sauerstoffbarriere dämmt den Geräuschpegel der Schifffahrt unter Wasser, wodurch Lebewesen entlastet werden. Zudem wirkt sich der erhöhte Sauerstoffgehalt des Wassers positiv auf das Ökosystem aus und es kommt zu einer geringeren Bildung von schädlichen Organismen. Nach dem Auffangen des Mülls wird dieser genau analysiert, um den Ursprung dessen ausfindig zu machen und so die Ursachen direkt zu bekämpfen. Dementsprechend hat dieses Projekt ebenfalls einen präventiven Ansatz. Allerdings ist es dennoch noch nicht gänzlich ausgereift, da jede Installation eine Fischpassage enthält, damit Fische ungehindert passieren können. Durch diese Passage kann jedoch auch Plastik entweichen. So können “nur” 86% des Mülls durch die Great Bubble Barrier eingefangen werden.  

Das sind natürlich nicht die einzigen Projekte, die aktiven Umweltschutz durch tolle Ideen und Entwicklungen betreiben. Tatsächlich gibt es so viele, dass man sie in einem einzigen Blogeintrag gar nicht alle aufzählen und vorstellen kann. Aber so können wir zumindest schon mal sehen, dass nicht alles negativ auf der Welt ist und es viele Menschen gibt, die sich aktiv für unsere Umwelt engagieren :).

Zurück zum Blog